Vor 25 Jahren wurden brutale islamistische Terrorattacken in New York verübt. Das Datum, der 11. September, sollte eigentlich ein Freudentag zur Erinnerung an die ungarische Grenzöffnung im Jahr 1989 werden. Doch es kam anders.

 

Jedermann denkt beim 11. September an 9/11 und an den Einsturz der Türme des World Trade Centers in New York. Der Tag gilt als trauriger Höhepunkt einer entfesselten Welt voller Terror und Hass. Seitdem wächst die Bedrohungslage der freiheitlichen Gesellschaften Tag für Tag, die Welt ist nicht mehr wie früher. Die islamistische Bedrohung ist nun ständig da.

Doch das ursprüngliche Datum, der 11. September 1989, war ein Tag der Freude, ein Tag der Freiheit, ein Tag der Öffnung des Ostblocks. Damals machte die ungarische Regierung unter Ministerpräsident Miklós Németh auch offiziell die Grenzen frei für die in Ungarn ausharrenden DDR-Bürger. Diese durften sodann nach Österreich ausreisen und machten sich sofort schnurstracks auf den Weg in Richtung Bundesrepublik Deutschland.

Seit dem Jahr 1989 wird der 11. September im deutsch-ungarischen bilateralen Kontext als der Tag der Grenzöffnung gefeiert und zu Recht an das Verdienst der Ungarn erinnert, das Eingesperrtsein der ostdeutschen Bürger beendet und ihnen den Weg in Richtung Freiheit ermöglicht zu haben. Maßgeblich für das Zustandekommen der Grenzöffnung war das Paneuropäische Picknick am 19. August 1989 bei Sopron. Beim dortigen Grenzdurchbruch kamen mehr als 600 DDR-Bürger nach Österreich in die Freiheit, dies katalysierte die Öffnung.

1989: Der 11. September als Tag der Freiheit

An der Nordseite des Reichstagsgebäudes in Berlin wurde 1991 eine Gedenktafel mit einer Inschrift angebracht, seitdem ist die Nordfassade ein häufiger besuchter Gedächtnisort von in den deutsch-ungarischen Beziehungen aktiven Politikern. Die Gedenktafel wurde von der ungarischen Parlamentspräsidentin Ágnes Forsthoffer mit ihrer deutschen Amtskollegin Julia Klöckner vor einigen Tagen anlässlich des offiziellen Besuchs in Berlin besichtigt.

Zum 12. Jahrestag der Grenzöffnung, am 11. September 2001, wurde das neugebaute ungarische Botschaftsgebäude in Berlin mit der Adresse Unter den Linden 76 um 12.00 Uhr eingeweiht. Anwesend waren Bundeskanzler Gerhard Schröder und Ministerpräsident Viktor Orbán sowie der junge ungarische Botschafter Gergely Prőhle, der mit seinem deutschen Amtskollegen Wilfried Gruber ein Musikstück zum Besten gab. Zugegen waren auch die Organisatoren des Paneuropäischen Picknicks. Während des Mittagessens wurde den beiden ranghohen Politikern von ihren Delegationen jeweils ein Zettel mit den erschütternden Nachrichten aus den USA gereicht. Die Ungarn flogen noch vor Schließung des Luftraums Hals über Kopf ab. Der Abendempfang konnte nicht mehr abgesagt werden. Mit den Bildern aus New York im Kopf herrschte eine gedämpfte Stimmung.

Die Geschichte des 11. September führt uns deutlich vor Augen, dass ein schöner Freudentag mit voller Wucht in einer großen Katastrophe enden kann. Die Geschehnisse aus dem ungarischen Universum am 11. September 2001 in Berlin zeigen, dass die Weltgeschichte den Lauf der Dinge mit Gewalt verändern kann. Was einst als freudige Zusammenkunft begann, endete im Entsetzen, in der Trauer. Und für uns Ungarn bedeutet der Terrorakt in New York City auch, dass wir nie wieder unbefangen und heiter den 11. September feiern können. Denn die Tragödie der gestürzten Doppeltürme mit fast 3.000 Toten stellt unsere ungarische Geschichte in den Schatten. Dennoch sollte man immer beide Bedeutungen des 11. September mitdenken.