Der 3. November markiert in der deutschen Geschichte einen zweifachen Jahrestag, der in den Wendejahren durchaus eine wichtige Bedeutung bekam. In beiden Fällen waren die Ausreisen aus der DDR zentraler Gegenstand der Erneuerungsmaßnahmen.
Von vielen unbemerkt begann am 3. November 1985 der Abbau der Minenanlagen an der deutsch-deutschen Grenze. Etwa 1,3 Millionen Minen wurden entfernt. Zum Vergleich: Der an der österreichisch-ungarischen Grenze angelegte Minengürtel wurde bereits im Zeichen der Entspannungspolitik im Jahr 1965 durch Ungarn abgebaut. Was kam, war der „Milde Eiserne Vorhang“ mit einem Geflecht aus Signalanlagen und unüberwindbaren Zäunen. Tödlich waren diese Vorrichtungen somit nicht mehr.
An der innerdeutschen Grenze musste man auf diese Entminung also noch ganze zwei Jahrzehnte warten. Dies ließ aber die DDR-Grenzwachen nicht daran hindern, die aus Ost nach West Eilenden, die sog. Republikflüchtlinge, mit Gewehrsalven aufzuhalten. Allein in Berlin wurden nachweislich 90 Personen einfach erschossen wie Karnickel auf dem Feld. Mindestens weitere 240 Personen starben an der innerdeutschen Grenze durch Schießwaffengebrauch der Grenzorgane.
Weitere Dutzende starben durch Minendetonation. Besonders spektakulär war der Fall von Michael Gartenschläger, der zwar mit den Minen bewusst hantieren wollte, aber schließlich durch Schusswaffen umkam. Der Fall war deshalb auch so besonders gelagert, weil das Todesopfer von westlicher Seite die Grenze annäherte und die Minen entfernen wollte. Monate zuvor konnte er sich an die Grenze heranrobben und eine Splittermine vom Typ SM-70 sicherstellen. Damit konnte er den unumstößlichen Beweis für das verbrecherische Antlitz des DDR-Regimes liefern. Kurz drauf demontierte er eine zweite Mine.
Als Gartenschläger am 30. April 1976 eine dritte Mine loseisen wollte, war ihm bereits die Stasi auf die Schliche gekommen. Diese hatte Spezialkräfte beordert und Gartenschläger aus einem Hinterhalt attackiert. Ohne Vorwarnung wurden mehrere Gewehrsalven abgegeben, Gartenschläger starb durch mehr als 80 Kugelschüsse, die seinen ganzen Körper durchsiebten. Die anhaltenden internationalen Proteste gegen das Minenwerk und gegen diesen gezielten tödlichen Hinterhalt am 30. April verleiteten die DDR schließlich, die Minen abzubauen. Gartenschläger hatte also durch seine Aktionen und letztlich durch seinen Tod eine Verbesserung der Situation an der deutsch-deutschen Grenze erreicht.
Nicht vergessen sollte, dass Gartenschläger, nachdem er 1971 aus der DDR nach Westen dauerhaft ausreisen durfte, immer wieder als Fluchthelfer in Erscheinung trat und ostdeutsche Menschen nach Westen schmuggelte. Er wollte so stückchenweise den DDR-Bürgern helfen, wie auch ihm zuvor geholfen worden war. Die Aktion mit der Entwendung der Minen war ein weiterer Beweis seiner antikommunistischen und menschlichen Gesinnung, er konnte und wollte die Hinterhältigkeit und die List des verbrecherischen DDR-Regimes entlarven. Die Geschichte des Abbaus der DDR-Minen ist also ohne Gartenschläger kaum zu denken.
Fast vergessen, doch auch ein anderer 3. November ist mit der Öffnung der Grenzen verbunden. Am 3. November 1989 beschloss die DDR, dass die Menschen nunmehr direkt aus der Tschechoslowakei in die Bundesrepublik ausreisen durften. Auch dies führte zum schnellen Implodieren des Regimes und zum Fall der Mauer am 9. November 1989.