Am 1. April 2026 fand in Eger eine Veranstaltung mit anschließender Diskussion statt, organisiert vom Deutsch-Ungarischen Institut für Europäische Zusammenarbeit und der MCC-Vertretung in Eger. Im Mittelpunkt stand ein Vortrag von Dr. Lasse B. Lassen, Junior Visiting Fellow unseres Instituts, mit dem Titel „Vom Abendland nach Europa – Das Wirken Otto von Habsburgs“, der sich dem Leben und dem europäischen Denken Otto von Habsburgs widmete. Rund 15 Interessierte nahmen teil.

 

Die Veranstaltung wurde von István Füleczki, dem Leiter der MCC-Vertretung in Eger, eröffnet. In seiner Begrüßung betonte er die anhaltende Relevanz historischer Persönlichkeiten und ihrer Gedanken für die Gegenwart. Im Verlauf des Abends erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die ideologische Entwicklung Otto von Habsburgs sowie in den Prozess, durch den sich ein aus einem monarchischen Umfeld stammender Thronfolger zu einem der prägenden Denker der europäischen Einigung im 20. Jahrhundert entwickelte. Der Vortrag zeichnete den Lebensweg Otto von Habsburgs chronologisch nach: vom Erben der Habsburgermonarchie über die prägenden Erfahrungen von Weltkriegen und Exil bis hin zu einem Politiker, der sich entschieden für christlich-konservative Werte und die Idee der europäischen Zusammenarbeit einsetzte. Besonderes Augenmerk galt dem Wandel seines Staatsverständnisses, in dem die Idee des „Reiches” zunehmend als supranationale Ordnung verstanden wurde, die Frieden und Rechtsstaatlichkeit gewährleisten soll.

Die Teilnehmenden erhielten zudem einen umfassenden Einblick in das politische und geistige Erbe Otto von Habsburgs. Für ihn war Europa weit mehr als eine wirtschaftliche Gemeinschaft – vielmehr verstand er es als Wertegemeinschaft, die auf Menschenwürde, Freiheit und kultureller Kontinuität beruht. Der Vortrag warf zugleich aktuelle Fragen auf, insbesondere in Bezug darauf, wie sich seine Gedanken im Kontext der heutigen Europäischen Union interpretieren lassen.

Einen besonders persönlichen Abschluss fand der Abend, als ein Teilnehmer von seiner eigenen Begegnung mit Otto von Habsburg berichtete. Er hob dabei dessen Bescheidenheit sowie seine bemerkenswerte Fähigkeit hervor, Bedrohungen für Europa frühzeitig zu erkennen.