Dr. Antonia Baraniuk, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Lehrstuhls für Geschichte an der Technischen Universität Chemnitz und Visiting Fellow am Deutsch-Ungarischen Institut für Europäische Zusammenarbeit hielt am 19. März 2026 am MCC Szeged einen Vortrag mit dem Titel „Der Kalte Krieg – Wettrüsten auf deutschem Boden“.

Der Vortrag thematisierte die besondere Rolle Deutschlands als zentraler Schauplatz des Ost-West-Konflikts zwischen 1945 und 1989. Anhand eindrücklicher Beispiele wurde gezeigt, dass Deutschland nicht nur politisch geteilt war, sondern auch die militärische Frontlinie zwischen NATO und Warschauer Pakt bildete. Zu Beginn wurde die Entstehung dieser Frontlinie erläutert. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden mit der Bundesrepublik Deutschland und der DDR zwei Staaten, die jeweils in gegensätzliche Militärbündnisse eingebunden waren. Damit verlief die Grenze zwischen Ost und West direkt durch Deutschland. Strategisch besonders bedeutend war dabei die sogenannte „Fuldaer Lücke“, die als möglicher Durchbruchspunkt für sowjetische Truppen galt.

Des Weiteren beschrieb Baraniuk das konventionelle und nukleare Wettrüsten im Kalten Krieg. Beide Seiten stationierten enorme Truppenverbände und Waffenarsenale in Mitteleuropa. Besonders drastisch war die nukleare Dimension: Tausende von Atomwaffen befanden sich auf deutschem Boden, wodurch Deutschland im Ernstfall zum Hauptschauplatz eines Atomkriegs geworden wäre. Der NATO-Doppelbeschluss von 1979 und die Stationierung von Mittelstreckenraketen wie der Pershing II verschärften die Spannungen zusätzlich.

Ein eindrücklicher Exkurs widmete sich dem Uranabbau in der DDR durch die Wismut. Dabei wurde deutlich, dass das Wettrüsten nicht nur militärische, sondern auch massive ökologische und gesundheitliche Folgen hatte, die bis heute nachwirken. Als gesellschaftliche Reaktion entstand in Ost und West eine Friedensbewegung, die sich gegen Aufrüstung und atomare Abschreckung richtete. Während Proteste in der Bundesrepublik öffentlich stattfinden konnten, waren sie in der DDR mit erheblichen Risiken verbunden. Dennoch trugen diese Bewegungen dazu bei, das Bewusstsein für die Gefahren des Wettrüstens zu schärfen.

Abschließend wurde das Ende des Wettrüstens durch den INF-Vertrag von 1987 dargestellt, der erstmals eine ganze Kategorie von Atomwaffen abschaffte. Mit dem Ende des Kalten Krieges und der deutschen Wiedervereinigung entspannte sich die Lage, doch wurde betont, dass nukleare Strukturen teilweise bis heute fortbestehen. Der Vortrag zog zudem Parallelen zur aktuellen Sicherheitspolitik und stellte die Frage, inwiefern sich ähnliche Konfliktmuster erneut entwickeln könnten.