Am Abend des 4. März 2026 fand im Scruton Café in Budapest eine Veranstaltung samt Podiumsdiskussion mit Roland Schatz, Herausgeber des Freiheitsindex und international anerkannter Medienanalyst, statt. Die Veranstaltung, an der rund 40 Personen teilnahmen, wurde von Dr. Bence Bauer, Direktor des Deutsch-Ungarischen Instituts für Europäische Zusammenarbeit, eröffnet und von Antonia Baraniuk, Visiting Fellow am Deutsch-Ungarischen Institut für Europäische Zusammenarbeit, moderiert.
In seiner Eröffnungsrede griff Schatz eine Erfahrung aus seiner Jugend auf, als ihm seine journalistische Tätigkeit den Vorwurf des Kommunismus einbrachte. Die Argumentationsstruktur war dabei denkbar einfach – wer über die wirtschaftlichen Reformen im kommunistischen Ungarn berichtet, muss unweigerlich ein Kommunist sein. Die Erkenntnis aus dieser Anekdote war, dass verengte Meinungskorridore und Stereotype weder in der Öffentlichkeit noch im Journalismus gänzlich neue Phänomene sind. Dabei sei es gerade die Aufgabe des Journalismus, nach Möglichkeit das ganze Bild und die ganze Wahrheit zu zeigen und nicht sorgfältig ausgewählte Teilinformationen. Auch hier griff Schatz zur Verdeutlichung auf eine prägende Erfahrung seiner Jugend zurück. Jahrelang hatte das Bild des „Schiefen Turms von Pisa“ seine Wahrnehmung der italienischen Baukunst geprägt und in ihm den Eindruck erweckt, dass Italiener keine besonders guten Baumeister seien. Dies änderte sich jedoch, sobald er selbst in Pisa war und vor ebenjenem Turm stehend die architektonischen Meisterwerke rund um den Platz selbst bewundern konnte. Im Weiteren führte Schatz die Bedeutung und den enormen Einfluss der medialen Berichterstattung – oder auch der ausbleibenden Berichterstattung – im Positiven wie im Negativen aus. Die Beispiele zweier Naturkatastrophen, die zeitlich nur wenige Monate voneinander trennten, verdeutlichen dies deutlich. Der Tsunami 2004 traf auf eine „Medienflaute“ in Deutschland und dominierte daher die Berichterstattung, wohingegen das Erdbeben in Pakistan stärker mit anderen Themen konkurrieren musste – das Ergebnis: 670 Millionen Euro private Spenden für die Tsunamiopfer und lediglich 80 Millionen für die Erdbebenopfer.
Im folgenden Teil seines Vortrages ging Schatz auf den Verlust des Freiheitsgefühls in der deutschen Öffentlichkeit ein. Gaben 1990 noch 86 Prozent der Befragten an, ihre Meinung ohne Bedenken frei zu äußern, befindet sich diese Sichtweise nun in der Minderheit. In Teilen ist dies auf Entwicklungen in den deutschen Medien und der Politik zurückzuführen. Die mediale Berichterstattung wurde immer einseitiger, und die unter Angela Merkel in mehreren Politikbereichen ausgerufene „Alternativlosigkeit“ schadete Diskurs und Demokratie zusätzlich. Der Umstand, dass spätestens mit der Corona-Krise auch eine Mehrheit der Medien – insbesondere der öffentlich-rechtlichen Medien – auf Regierungslinie einschwenkte, verbesserte die Situation nicht. Es wurde zunehmend schwerer, sich gegen die vorherrschende „alternativlose“ Meinung zu stellen.
Als einen weiteren Aspekt, wie die Medien (auch unfreiwillig) zum gesellschaftlichen Vertrauensverlust beitragen, nannte Schatz die überwiegend negative Natur der deutschen Berichterstattung. Untersuchungen zeigten, dass sowohl Politiker als auch Parteien einem überwiegend negativen Medienecho ausgesetzt sind. Auch im Bereich der Wirtschaft ist dieser Trend zu beobachten – dort dominieren nicht etwa Erfolgsnachrichten und Neugründungen, sondern Insolvenzen, Standortschließungen und Entlassungen. Auch Ungarn sehe sich laut Schatz in dieser Negativberichterstattung gefangen. Dies sei jedoch weniger auf eine intrinsische Ungarnfeindlichkeit zurückzuführen, sondern zum Großteil auf die Natur der deutschen Berichterstattung. Das große Interesse des Publikums zeigte sich in einer engagierten Fragerunde; der Abend klang in persönlichen Gesprächen mit dem Referenten und Moderator aus.